Ich sitze mit meinem Kaffee am Küchentisch, das Notizbuch aufgeschlagen, der Stift in der Hand – und dann: nichts. Die leere Seite starrt mich an, und ich starre zurück. Kennst du das? Du weißt, dass Journaling gut für dich wäre, aber du hast keine Ahnung, worüber du schreiben sollst. Genau dafür sind Journaling Prompts da – gezielte Fragen, die den Gedankenfluss in Gang bringen.
- Journaling Prompts sind gezielte Fragen, die Selbstreflexion anregen
- Regelmäßiges Schreiben reduziert nachweislich Stress und fördert Klarheit
- 5-10 Minuten täglich reichen für spürbare Effekte
- Es gibt kein Richtig oder Falsch – schreibe, was kommt
- Die linke Gehirnhälfte wird durch Schreiben beschäftigt, die kreative rechte kann arbeiten
- Erkenntnisse entstehen oft erst durchs Aufschreiben, nicht durchs Nachdenken
- Wähle Prompts, die etwas in dir auslösen – genau da liegt oft das Gold
Warum Journaling Prompts so wirkungsvoll sind
Der Unterschied zwischen Journaling und klassischem Tagebuchschreiben: Beim Tagebuch dokumentierst du, was passiert ist. Beim Journaling gehst du tiefer – du erforschst deine Gedanken, Gefühle und Muster. Und genau hier kommen Prompts ins Spiel. Sie sind wie ein erfahrener Therapeut, der die richtigen Fragen stellt.
Wissenschaftliche Studien zeigen: Schriftliche Selbstreflexion aktiviert andere Gehirnregionen als reines Nachdenken. Durch das Schreiben wird die analytische linke Gehirnhälfte beschäftigt, sodass die kreative rechte Seite freier arbeiten kann. Das Ergebnis? Erkenntnisse, auf die du durchs bloße Grübeln nie gekommen wärst.
Prompts für den täglichen Check-in
Diese Fragen eignen sich perfekt für eine kurze Morgen- oder Abendroutine:
Nr. |
Prompt |
Fokus |
|---|---|---|
1 |
Wie fühle ich mich gerade wirklich? Nicht „gut“ oder „schlecht“ – präziser. |
Emotionen |
2 |
Welche drei Dinge machen mich heute dankbar? |
Dankbarkeit |
3 |
Was brauche ich heute am meisten? |
Bedürfnisse |
4 |
Welcher Gedanke beschäftigt mich immer wieder? |
Muster |
5 |
Was habe ich heute über mich gelernt? |
Reflexion |
Wähle nicht mehr als 1-2 Fragen pro Session. Setze einen Timer auf 5-10 Minuten und schreibe, ohne den Stift abzusetzen. Rechtschreibung und Grammatik sind egal. Es geht um den Fluss.
Prompts für Selbsterkenntnis und Werte
Diese tieferen Fragen helfen dir, deine Werte und Überzeugungen zu erkunden. Nimm dir dafür mehr Zeit – vielleicht am Wochenende:
6. Welche fünf Werte sind mir am wichtigsten im Leben? Lebe ich aktuell danach?
7. Wann fühle ich mich am meisten wie ich selbst?
8. Welche Eigenschaften bewundere ich an anderen? Was sagt das über mich?
9. Welche Überzeugung über mich selbst würde ich gerne loslassen?
10. Wenn ich völlig ohne Angst wäre – was würde ich anders machen?
11. Wofür möchte ich in Erinnerung bleiben?
12. Was bedeutet Erfolg für mich – unabhängig davon, was andere denken?
Prompts für Ziele und Zukunft
Diese Fragen helfen dir, Klarheit über deine Richtung zu gewinnen:
13. Wo sehe ich mich in einem Jahr? Was muss passieren, damit ich dort bin?
14. Welchen einen Schritt könnte ich heute tun, um meinem Ziel näher zu kommen?
15. Was würde ich tun, wenn ich wüsste, dass ich nicht scheitern kann?
16. Welches Ziel verfolge ich, weil ich es wirklich will – und welches, weil andere es von mir erwarten?
17. Was ist die eine Sache, die ich mir mehr als alles andere wünsche?
18. Wenn mein zukünftiges Ich mir einen Rat geben könnte – was wäre es?
„Die Antworten, die du suchst, liegen bereits in dir. Das Journaling hilft nur, sie an die Oberfläche zu bringen.“
Prompts für Beziehungen und Verbindung
19. Welche Beziehung in meinem Leben gibt mir Energie? Welche kostet mich Energie?
20. Was brauche ich von meinen engsten Menschen, was ich noch nicht ausgesprochen habe?
21. Wem schulde ich eine ehrliche Entschuldigung?
22. Wie zeige ich Menschen, dass sie mir wichtig sind?
23. Welche Grenzen muss ich besser kommunizieren?
Prompts für schwierige Zeiten
Wenn du gerade durch eine herausfordernde Phase gehst, können diese Fragen helfen. Wenn du merkst, dass du Unterstützung brauchst, findest du Strategien in unserem Artikel über mentale Gesundheit.
24. Was genau macht mir gerade am meisten Angst? Was ist das Schlimmste, das passieren könnte?
25. Welche Situation in der Vergangenheit habe ich gemeistert, obwohl ich dachte, ich schaffe es nicht?
26. Was würde ich einer Freundin raten, die in meiner Situation wäre?
27. Was liegt in meiner Kontrolle – und was nicht?
Journaling ist kein Ersatz für professionelle Unterstützung. Wenn du merkst, dass dich bestimmte Themen überfordern oder du wiederholt auf schmerzhafte Muster stößt, kann eine Therapie oder Beratung sinnvoll sein. Journaling kann diesen Prozess begleiten, aber nicht ersetzen.
Prompts für persönliches Wachstum
28. Was sind meine drei größten Stärken? Nutze ich sie aktiv?
29. Welche Gewohnheit würde mein Leben am meisten verbessern?
30. Was halte ich für unmöglich, das vielleicht doch möglich wäre?
So baust du eine Journaling-Routine auf
Die größte Hürde beim Journaling ist nicht das Schreiben selbst – es ist die Regelmäßigkeit. Hier ein paar Tipps, wie es zur Gewohnheit wird:
Feste Zeit: Verknüpfe das Journaling mit einer bestehenden Gewohnheit. Morgens mit dem Kaffee, abends nach dem Zähneputzen. So muss dein Gehirn keine neue Entscheidung treffen.
Klein anfangen: Drei Sätze reichen. Wirklich. Lieber täglich drei Sätze als einmal pro Woche zehn Seiten.
Schönes Material: Ein Notizbuch, das du gerne in die Hand nimmst, macht einen Unterschied. Es muss nicht teuer sein, aber es sollte sich gut anfühlen.
Kombiniere Journaling mit einer Selfcare-Routine für maximale Wirkung.
Journaling Prompts sind wie Schlüssel zu verschiedenen Räumen in deinem Inneren. Manche öffnen Türen, von deren Existenz du nichts wusstest. Probiere verschiedene Fragen aus, bleib neugierig und sei geduldig mit dir selbst. Die wertvollsten Erkenntnisse kommen oft unerwartet – beim Schreiben über etwas scheinbar Banales. Dein einziger Job: regelmäßig auftauchen und ehrlich sein.